Oudega zum Zweiten

Oudega zum Zweiten

Den heutigen Tag wollen wir geruhsam angehen. Unser Boot haben wir schon einigermassen im Griff, obschon es länger und breiter ist als der IJsvogel vom letzten Herbst. Zuerst fahren wir gemütlich nach Joure. Dort legen wir im Passantenhaven ein bühnenreifes Wendemanöver hin. Das anschliessende Anlegen an der Backbordseite ist allerdings weniger publikumsgeeignet. Das Boot widersetzt sich durch den Wind hartnäckig dagegen, sich an der Hafenmauer anzuschmiegen. Mein Schwiegervater hätte wohl trocken bemerkt, dass es immer wieder 'absecklet' (davonrennt).

Aber schliesslich ist das Bötchen sauber vertäut, und die Kids freuen sich auf den ersten Veloausflug. Habe ich schon erwähnt, dass wir zum Boot noch zwei "Fiets" gemietet haben? Daddy und Mami hingegen trotten zu Fuss ins Dorf. Wir treffen uns beim Aldi zum Einkaufen.

Die friesischen Dörfer sind sehr heimelig und sauber. Es ist eine Freude durch Joure zu flanieren. Nun weiss ich auch, wieso die Bauern in unserer Gegend so ungemein stolz auf ihre Dörfer sind und sie als den schönsten Ort der Welt bezeichnen. Wer kaum reist und nichts anderes kennenlernt, kann sich halt nicht vorstellen, wie schön es in anderen Teilen der Welt sein kann, und dass andere auf ihre Dorfgemeinschaften mindestens ebenso stolz sein dürfen. Aber ich schweife ab...

Bei Joure

Fahrt Richtung Joure

Hier in Joure gäbe es viel zu sehen. Es gibt ein Heimatmuseum. Und hier ist auch der Ursprung der Kaffee-Weltmarke Jacobs. Es begann alles mit der Kafferösterei von Douwe Egberts (voller Name «Douwe Egberts Koninklijke Tabaksfabriek-Koffiebranderijen-Theehandel Naamloze Vennootschap»). Auch diese Einrichtung wäre meines Wissens zu besichtigen. Da wir aber insgesamt nur fünf Tage in Friesland sind und in dieser Zeit viel auf dem Wasser sein wollen, müssen wir diesmal auf ausgedehnte Besichtigungstouren verzichten. Aber zumindest grüsst uns der Kirchturm von Joure mit einer vielfältigen Melodie. Auch das Glockenspiel wurde dem Dorf offenbar in früheren Zeiten von Douwe Egberts gespendet.

Dorfkade von Joure

Dorfkade von Joure

Nach einem ausgiebigen Mittagessen bei wunderschönem warmem Wetter starten wir zur zweiten Fahrt an diesem Tag.

Mittagessen auf Deck

Mittagessen auf Deck bei ca. 25° C

Die Fahrt geht von Joure über den Langwarder Wielen und durch den Johan Friso-Kanal ins Heeger Meer. Beim Ausgang aus dem Langwarder Wielen nordwestlich von Langweer will ich an der schmalen Stelle einem entgegenkommenden Boot ausweichen. Dabei gerate ich in eine wunderbare Untiefe und setze das Boot beinahe auf Grund. Als ich es spüre, gebe ich volle Kraft rückwärts. Das rettet uns vermutlich vor dem peinlichsten aller Manöver: Telefonieren und auf ein Schleppfahrzeug warten. Mein ganzes Nervenkostüm flattert mir ums Gesäss. Es wird mir eine Lehre sein: Verlasse nie die mit Bojen gekennzeichnete Fahrrinne, auch nicht einen Meter. Das hat mir schon Mike in Cape Coral für die Gewässer in Florida ans Herz gelegt. Mike, du hast sowas von Recht!

Da wir nochmals mit dem Leben davon gekommen sind, setzen wir dieses und unsere heutige Bootsfahrt fort. In einem grossen Bogen fahren wir nach Oudega. Die Fahrt ist zwar schön, aber aufgrund des Ereignisses im Langwarder Wielen äusserst nervenzermürbend. Ich weiss nicht sicher, ob die Wassertiefe zum und über den Aldegeaster Brekken für unser Boot ausreicht. Es hat zwar nur 1,1 m Tiefgang, aber die Tiefenangaben sind teilweise nur 1 m. Deshalb fahre ich langsam, horche auf allfällige Aufsetzer und klammere mich so am Steuerrad fest, dass dieses fast zu tropfen beginnt. Ich befürchte, dass wir nicht immer die nötige Handbreit unter dem Kiel haben, aber zur Not reicht auch ein kleiner Finger. Wir erreichen Oudega wohlbehalten. Dieses nette Plätzchen ist auch für friesische Begriffe am Ende der Welt. Aber offenbar ist es ein bekannter Wassersportort. Obschon die Saison noch nicht begonnen hat, tummeln sich jugendliche Surfer und Segler, dass es eine Freude ist.

Wir vertäuen das Boot am Steg nahe beim Camping «De Bearshoeke». Dort haben wir Strom und Duschen.

Aqua Victoria in Oudega

Unser Schiff, die Aqua Victoria in Oudega

Es folgt wiederum ein wunderschöner Sonnenuntergang und ein gemütlicher Abend an Deck. Habe ich schon erzählt, dass das Wetter sonnig und warm ist? Wir denken gelegentlich an die stürmische Zeit im Herbst zurück und geniessen das freundliche Wetter doppelt. Die Kids lassen sich sogar zur Aussage hinreissen, dass sie froh sind, auf dieser Reise dabei zu sein. Was will man mehr?

Sonnenuntergang bei Oudega

Schmerzhaft kitschiger Sonnenuntergang am Oudegaaster Brekken

Fahrstatistik Tag 2

Fahrstrecke heute: 34,6 km | Fahrstrecke total: 43,9 km

Fahrstrecke Tag 2

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